angepasste Hosenscheißer

Da ich einige Jährchen älter bin als meine Dame, haben wir da manchmal Reibungspunkte, die ich nicht immer in Worte fassen kann. Auch zehn Jahre jüngeren Freunden gegenüber ist es schwer zu vermitteln, dass man nicht immer einen Plan haben muss. Das man den Tag einfach mal streichen lassen kann. Eine Situation nicht nutzen. Das Dinge mal richtig scheiße sein dürfen und man nichts dagegen tut, als abzuwarten und aushalten. Man denkt dann manchmal selbst, das läge nur an der eigenen Person die so aufwuchs und das so über sich ergehen lässt oder auch mal nur zynisch und verbittert ist und seine Wut darüber in böse Wort packt.
Aber dieser Herr der gar etwas älter ist als ich, hat es in bessere und glaubwürdigere Worte gepackt als ich es könnte. Aber die bösen, zynischen Worte behält er bei, bis zum letzten Satz. Ich habe genickt und wünschte mir meine Punkklamotte von damals zurück.
Aber ich sehe die Jugend und ich finde die, die jetzt gerade erwachsen wird ganz gut. Klar es gibt die „süße Hündchenbesitzer/Innen“ die sind genau so plemplem wie ihre älteren Vorbilder und nicht mehr zu retten. Die haben das mit den Menschen auch nicht wirklich begriffen. Aber es gibt ein paar, da wird was draus. Da bin ich sicher.

„Ich sehe den Trend zum angepassten Hosenscheißer“

ich zitiere:

Als ich 25 Jahre alt war – und das ist jetzt 25 Jahre her – da hat mir kein Mensch irgendetwas vorgeschrieben. Da war das Leben relativ frei für junge Menschen und unkontrolliert. Man hat eine Fülle von Chancen gehabt. Es war nicht so beengt wie heute.

Damals habe ich von Tag zu Tag gelebt und mir das Recht herausgenommen, keine Pläne zu haben. Der große Vorteil meiner Generation war, dass man keine Pläne haben musste und dass man nicht Erfolg haben musste. Und heute ist das Standard: Jeder muss irgendetwas unternehmen, die Qualität von einem Leben ermisst sich daran, was man schafft und hervor bringt. Es ist aber nicht notwendigerweise die Pflicht eines Menschen, etwas zu schaffen. Das Leben kann auch daraus bestehen, dass man sich täglich besäuft und bekifft und Nietzsche liest.

So geht das weiter und steigert sich von Zeile zu Zeile und ich nicke mit dem Kopp. Viele werden behaupten „Das war so nie“, aber die waren auch damals schon Fussballfans und sorgten sich um Bausparverträge aber über die redet keiner mehr.

Jetzt liegt es ja auch an mir, zu schauen was die nächste Generation macht und ob man sie vor den albernen Ideen und Ansichten der Bildungs- und Arbeitswelt noch retten kann.

Lev in Roscoff

Kind1 geht ganz cool voran

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Ein Kommentar

  1. Henk · Juli 15, 2013

    Mein Plan war immer der gewesen, Leben zu genießen. Hat für ein knappes halbes Jahrhundert ganz gut funktioniert. Ich sehe viel Kreativität in der Jugend von heute. Aber eben auch das zu viele Pläne für später machen. Es hat schon einen Grund das wir die Schulen für unsere Tochter mit Bedacht ausgewählt haben. Die meisten Schulen sind heute zu sehr ans Wirtschaftssystem angepasst. Da kann man für das Leben selbst oft nichts mehr lernen. Deswegen haben wir auch Gymnasien und Sekundarschulen abgelehnt. Und das Wichtigste : Sie wollte das auch nicht. Es gibt also Hoffnung.

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